Studiengang Wirtschaftspsychologie oder Psychologie mit entsprechendem Schwerpunkt?



Es gibt in Deutschland zwei Varianten, Wirtschaftspsychologie zu studieren. Zum einen kannst du den eigenständigen Studiengang wählen, in dem es direkt vom ersten Semester an um die Verknüpfung von betriebswirtschaftlichen und psychologischen Inhalten geht. Zum anderen gibt es aber auch die Möglichkeit, in einem Psychologie Studium einen Schwerpunkt wie „Wirtschaftspsychologie“ oder „Arbeits- und Organisationspsychologie“ zu wählen. Welche Variante ist die bessere? Und was sind die Unterschiede? Mit diesem Artikel möchten wir diese beiden Fragen beleuchten und versuchen, eine Antwort zu geben.

Unterschiede zwischen eigenständigem Studiengang und Schwerpunkt
Der erste Unterschied liegt im Zugang zum Studium. Psychologie kann nämlich nur an Universitäten studiert werden, demzufolge ist die Allgemeine Hochschulreife, also das Abitur, die Pflichtvoraussetzung. Desweiteren ist ein Psychologie Studium in Deutschland sehr begehrt, was zu einem sehr hohen NC führt. Der geforderte NC liegt je nach Hochschule zwischen unglaublichen 1,1 und 1,8.

Anders sieht das zum größten Teil beim eigenständigen Studiengang Wirtschaftspsychologie aus. Dadurch, dass das Studium an vielen Fachhochschulen angeboten wird und noch nicht so bekannt und beliebt wie ein Psychologie Studium ist, gibt es teilweise keinen oder einen NC immer oberen 2er Bereich. Viele Hochschulen setzen auch auf verschiedene zusätzliche Auswahlverfahren. So wird zum Beispiel an der Hochschule Osnabrück eine abgeschlossene Ausbildung oder ein mindestens sechswöchiges Praktikum sehr positiv gewertet und führt zur Verbesserung der Bewerbungschancen.



Was sind weitere Unterschiede? Vor allem bei den Studieninhalten fallen einem die Unterschiede ins Auge. Bei einem Psychologie Studium, wo Wirtschaftspsychologie „nur“ als Schwerpunkt wählbar ist, fehlen in den ersten Semestern nahezu vollständig die betriebswirtschaftlichen Grundlagen. Beispiel Uni Münster: Es gibt Vorlesungen wie „Biologische Psychologie“, „Allgemeine Psychologie & Kognitive Neurowissenschaft“, „Differentielle Psychologie“, „Entwicklungspsychologie“ und „Statistik“, aber von einem Fach wie „Grundlagen der BWL“ oder „Personalmanagement“ fehlt jede Spur.

Auch bei den Berufschancen nach dem Studium gibt es sowohl Unterschiede als auch Überschneidungen. Absolventen eines Psychologie Studiums können mit der entsprechenden Schwerpunktlegung auf Arbeits- und Organisations- bzw. Wirtschaftspsychologie in Bereichen wie Personalwesen, Marktforschung und Unternehmensberatungen arbeiten. Desweiteren bietet sich natürlich die Option, in die klinische Psychologie (Psychotherapie, Sucht- und Krisenberatung, etc) oder die pädagogische Psychologie (Erwachsenenbildung, Schulpsychologische Beratung) einzusteigen. Für Absolventen eines eigenständigen Wirtschaftspsychologen sind die Tätigkeitsfelder nicht ganz so breit gefächert (siehe Artikel „Einsatzgebiete von Wirtschaftspsychologen“), dafür sind sie auf die jeweiligen Bereiche wahrscheinlich intensiver vorbereitet.



Weitere Studiengänge mit Schwerpunkt Wirtschaftspsychologie
Es gibt neben dem Uni-Studiengang Psychologie auch andere Studienangebote, die „WiPsy“ als Schwerpunkt anbieten. Vorzufinden sind diese nahezu ausschließlich an privaten Hochschulen. So bietet zum Beispiel die Cologne Business School innerhalb des Studiengangs General Management eine entsprechende Spezialisierung an. Gleiches gilt für die SRH Hochschule Berlin („Betriebswirtschaft, Schwerpunkt Wirtschaftspsychologie“). Diese Schwerpunkte kann man aber nicht mit denen eines Psychologie Studiums vergleichen, da hier immer ein betriebswirtschaftlicher und kein psychologischer Studiengang die Basis bildet. Zwar ist hier auch die Dauer der Vermittlung von wirtschaftspsychologischen Inhalten auf 1-2 Semester beschränkt, anstelle von 5-6 Semestern bei eigenständigem Studiengängen, aber die Ausrichtung ähnelt sich dennoch.


Was ist die bessere Variante?
Das kann man nicht einfach sagen, sondern die Entscheidung richtet sich individuell nach den persönlichen Zukunftsvorstellungen. Für Schulabgänger, die nicht das Abi, sondern die Fachhochschulreife haben, ist ein Psychologie Studium an der Uni nicht möglich. Hier bietet sich als Alternative auf jeden Fall der Studiengang Wirtschaftspsychologie an einer der zahlreichen Fachhochschulen an. Auf für Abiturienten mit einem Abischnitt/ NC jenseits der 2,5 ist es eine Überlegung, statt zahlreicher Wartesemester für Psychologie direkt in die Wirtschaftspsychologie einzusteigen. Vor allem aber sollte man wissen, ob einem betriebswirtschaftliche Inhalte Spaß machen. Wer zu Schulzeiten an Fächern mit BWL-Bezug, wie z.B. Sozialwissenschaften oder Wirtschafts- und Rechtslehre keinen Spaß hatte, wird sicherlich auch im Wirtschaftspsychologie Studium an diesen Inhalten nicht unbedingt Freude entwickeln. Hier empfiehlt sich dann das Psychologie Studium als Variante.

Und wie soll ich herausfinden, welcher Studiengang besser zu mir passt? Unsere Empfehlung ist, sich in persönlichen Studienberatungen an den Unis und FHs zu informieren. Bestell dir Infomaterial oder lad dir die Studienverläufe runter, lies die Modulbeschreibungen durch und geh persönlich zu den Beratungsangeboten. Hier kannst du gezielt deine Fragen stellen und zum Schluss wirklich fundiert eine Entscheidung treffen. Viel Erfolg!