Uni, FH, Akademie – Wo soll ich Wirtschaftspsychologie studieren?
Bei der Wahl der richtigen Hochschule gibt es nicht nur Rankings und persönliche Empfehlungen, nach denen man sich meistens richten muss. Entscheidend ist auch die Frage, an welcher Art von Hochschule ich mein Studium der Wirtschaftspsychologie beginnen möchte. Zur Wahl stehen Universitäten und Fachhochschulen. Für manche Studienangebote spielen auch Berufsakademien eine Rolle, z.B. für ein duales Studium. Wir erläutern hier die Eigenschaften der einzelnen Hochschularten.
Vorher aber geben wir dir einige Argumentationspunkte mit auf den Weg, warum du dich überhaupt für ein Studium entscheiden solltest:
Pro Studium:
- Manche berufliche Ziele lassen sich ohne akademischen Grad, also ein Studium, nicht verwirklichen (siehe Einsatzgebiete als Wirtschaftspsychologe)
- Innerhalb eines Studiums lernst du, wissenschaftlich zu arbeiten. Dies zu wissen, ist z.B. für einen Job als Unternehmensberater Vorraussetzung.
- Wenn du in die Forschung möchtest, bietet nur ein Studium die Möglichkeit, diese wissenschaftlichen Interessen ausführlich zu befriedigen
- Als Akademiker ist die Gefahr, später arbeitslos zu sein, bedeutend geringer als bei anderen Qualifikationsgruppen
- Bestimmte Unternehmenshierarchien können nur mit einem Hochschulabschluss erreicht werden. Ansonsten stößt die irgendwann an die sogenannte „gläserne Decke“, an der die Karriereleiter aufhört.
Und wohin jetzt? Den Studiengang Wirtschaftspsychologie gibt es ja, wie du in unserer Studiengangsdatenbank gesehen hast, sowohl an Universitäten als auch an Fachhochschulen. Hier folgt der ausführliche Überblick:
Schnell-Verweise:
- Wirtschaftspsychologie studieren an einer Universität
- Wirtschaftspsychologie Studium an einer Fachhochschule
- Wirtschaftspsychologie an einer Akademie/ Berufsakademie
Wirtschaftspsychologie studieren an einer Universität:
Die Universität ist, gemessen an den Zugangsvoraussetzungen, die höchste Bildungseinrichtung in Deutschland. Den Absolventen von Universitäten stehen oft viele Möglichkeiten, wie zum Beispiel ein Masterstudium, die Promotion (Doktorarbeit) oder der Jobeinstieg, offen.
Wie ist denn so der Studienverlauf im Wirtschaftspsychologie Studium an einer Uni? Studierende einer Universität werden wissenschaftlich ausgebildet. Das heißt, dass sie lernen, sorgfältig und wissenschaftlich zu arbeiten und mit der Forschung in Berührung kommen
Ein Wirtschaftspsychologie Studium an der Universität erfordert Selbstdisziplin und Motivationsfähigkeit. Den größten Teil des Lehrstoffes bringt man sich an der Uni selber bei bzw. in Lerngruppen mit anderen Studierenden. Zwar wird in den Vorlesungen der konkrete Lehrstoff behandelt, aber großer Wert wird auf die Nacharbeit des Stoffes gelegt.
Ehrgeiz ist also angesagt für das Wirtschaftspsychologie Studium an der Universität. Aber es lohnt sich. Nach dem Abschluss stehen Uni-Absolventen die meisten Wege aller Hochschulabgänger offen. Es gibt manche Unternehmen, die ganz speziell nur ehemalige Studierende einer Universität einstellen. Alternativ ist natürlich auch das Master-Studium oder die Promotion möglich. Und die persönliche Entwicklung? Da man an der Uni öfters auf sich gestellt ist, sind die Absolventen eher Einzelkämpfer und durchsetzungsstärker. Zudem ist die Fähigkeit, selbstständig an Probleme heranzutreten und sie erfolgreich zu lösen, bei Studierenden einer Universität ausgeprägter als bei FH-Studierenden. Ein weiterer Vorteil, zumindest für die ersten Jahre nach dem Berufseinstieg: Uni-Absolventen verdienen mehr als ihre Kollegen von einer Fachhochschule.
Typisch für das (Wirtschaftspsychologie) Studium an der Universität:
- Das Studium ist in der Regel als Vollzeitstudium konzipiert, d.h. es kann nicht neben dem Beruf absolviert werden
- Theoretische Ausrichtung und Grundlagenforschung haben große Bedeutung
- Ziel ist normalerweise keine spezifische Berufsausbildung, sondern der Erwerb einer allgemeinen Berufsbefähigung
- Die Vorlesungen finden manchmal mit bis zu 1.000 Studierenden statt
- Der Master gilt als Regelabschluss
Wirtschaftspsychologie studieren an einer Fachhochschule:
Wenn Abiturienten sich über ein (Wirtschaftspsychologie) Studium informieren, denken sie wohl zuerst an die Universität und unterschätzen, dass ein (Wirtschaftspsychologie) Studium an einer Fachhochschule die bessere Wahl sein kann.
(Kleine Anmerkung direkt zum Anfang: Aufgrund des Bologna-Prozesses benennen sich immer mehr Fachhochschulen in „Hochschulen“ um. Lass dich davon nicht irritieren, so will man zum Ausdruck bringen, dass sich die Abschlüsse von FH und Uni dank Bachelor und Master annähern.)
Der größte und wohl auch bekannteste Unterschied zwischen einer FH und einer Uni ist sicherlich die Praxisnähe. An der Fachhochschule werden die Studieninhalte von der Theorie direkt in die Praxis übertragen. Studienberater Michael Anziani beschreibt dies so: „An der Universität lernst du z.B. zehn unterschiedliche Theorien zur BWL– an der FH dagegen lernst du die drei anerkanntesten und überträgst sie dann mittels Fallbeispielen direkt auf praktische Beispiele“. Dies ist auch der Grund dafür, dass es an Fachhochschulen mehr kreative und anwendungsbezogene Studiengänge (z.B.Kunst) als an Unis angeboten werden.
Ein anderer großer Unterschied liegt in der Organisation des Studiums. Eine FH ist viel stärker verschult. Du kannst es dir fast wie in der Schule vorstellen, mit vorgegebenem Stundenplan und einem geplanten Klausurzeitraum. Man muss sich also weder für Vorlesungen anmelden noch seine Klausurphase planen – das wird alles durch die FH erledigt. Weiterer Unterschied: Die Gruppengröße. Wenn du Wirtschaftspsychologie an einer FH studierst, wirst du das in Gruppen von ca. 40-60 Studierenden tun. An der Uni können manche Vorlesungen schon mal bis zu 1.000 Studierende umfassen.
Und noch etwas: An der FH kann auch studieren, wer kein Abitur gemacht hat. Vorraussetzung zum Studium ist nämlich die fachgebundene Hochschulreife oder die Fachhochschulreife, auch Fachabi genannt. Die erlangt man z.B. durch die Mittlere Reife zusammen mit einer Berufsausbildung.
Typisch für das (Wirtschaftspsychologie) Studium an einer FH:
- hoher Praxisbezug
- Angewandte Forschung (also wenig theoretisch)
- Meist enge Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen aus der Wirtschaft
- Die Studiengruppen sind zwischen 40-60 Personen groß
- Das Studium kann berufsbegleitend konzipiert sein
- Der Bachelor ist Regelabschluss
Aber bei all den aufgeführten Unterschieden gibt es natürlich auch noch einige Gemeinsamkeiten zwischen einer Universität und einer Fachhochschule. Dies sind u.a.:
- Zweistufige Studiengänge gemäß „Bologna-Model“: Bachelor und Master
- drei Jahre Studiendauer bis zum Bachelor, dann 1,5 bis 2 Jahre bis zum Master-Abschluss
- Die Studienleistungen werden nach dem europäischen Kreditpunktesystem bewertet. Dabei entspricht ein ECTS (European Credit Transfer System = Kredit) einer Studienleistung von ca. 30 Stunden (Selbststudium inkl.)
- Beide Hochschularten pflegen internationale Hochschul-Partnerschaften und fördern damit die Mobilität ihrer Studierenden
- Fremdsprachenkenntnissen und deren Erlernen haben eine sehr große Bedeutung (insbesondere Englisch)
Da es durchaus sein kann, dass ein Wirtschaftspsychologie Studiengang auch an einer Akademie angeboten wird, erläutern wir hier im Folgenden auch diese spezielle Art der Weiterbildung.
Wirtschaftspsychologie an einer Akademie/ Berufsakademie:
Grob gesehen darf sich jede Institution, die ein Bildungsangebot bereithält, Akademie nennen. Staatlich anerkannt ist sie dadurch nicht. Dennoch bieten private Akademien oft anerkannte Studienabschlüsse wie den Bachelor of Arts an. Erreicht wird das über eine Kooperation mit einer ausländischen (oft britischen) Hochschule. Man erhält als Wirtschaftspsychologie-Studierender solch einer Akademie dann meist eine Urkunde der Akademie und einen (englischen) Bachelor. Der Bachelor ist theoretisch dank des Bologna-Prozesses überall gleich anerkannt, jedoch sollte man sich vor dem Studienbeginn über die Möglichkeiten eines Master-Studiums erkundigen. Es kann nämlich vorkommen, dass die Hürden für ein Master-Studium an einer anderen Hochschule mit einem englischen Abschluss deutlich steigen. Ansonsten bietet das Studium an einer Akademie die gleichen Vorteile wie an einer (privaten) Fachhochschule: Kleine Gruppe, praxisnahe Vorlesungen und moderne Ausstattung.
Eine Berufsakademie (BA) weist auch eine starke Praxisorientierung auf, ist aber keine Hochschule und verleiht daher auch keine akademischen Grade. An einer Berufsakademie findet ein Teil der Ausbildung eines Unternehmens statt. Diese duale Ausbildung ermöglicht, dass der Auszubildende bzw. Studierende zusätzlich noch einen Abschluss einer Berufsakademie erlangen kann. Das funktioniert, indem der Interessent einen Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen schließt, dass solch eine duale Ausbildung anbietet. Die eine Hälfte der Ausbildung wird dann im Unternehmen geleistet und die andere Hälfte in der Berufsakademie. Hierbei wechseln sich dann die Theorie- und Praxisphasen im Rhythmus von etwa drei Monaten ab. Bei einem erfolgreichen Abschluss erhält man dann einen Grad wie z.B. „Diplom-Betriebswirt (BA)“. Manche Berufsakademien bieten sogar akkreditierte Studiengänge an, bei denen man dann einen staatlich anerkannten und akademischen Bachelor erhält. Wirtschaftspsychologie wird bisher aber noch nicht an Berufsakademien angeboten.


